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Die Sache mit der Experimentalkritik

November 15, 2011

Feministinnen haben offenbar Komplexe, weil man ihnen fortwährend Humorlosigkeit vorwirft. Denn seit gestern kann man bei der Mädchenseilschaft lesen, daß Frauen fast genauso lustig sind wie Männer.

Das ist ja mal eine neue Argumentationsschiene: Feministinnen heben hervor, daß Frauen genauso gleich sind wie Männer. Habt ihr eigentlich auch noch andere Sachen drauf, als fortwährend die Gleichheit von Mann und Frau zu postulieren?

Jeder kennt das sicherlich: Man sitzt in trauter Runde beisammen, und die Lacher werden zu genau gleichen Teilen von Männern und Frauen provoziert. Mir wurde schon öfter von Frauen gesagt, ich sei lustig. Ich habe das Frauen noch nie gesagt.

Na ja, ich will hier nicht mit Alltagserfahrung anfangen. Denn diese widerspricht ja allem, was wir aus feministischem Munde hören können.

Unsere Alltagserfahrung lügt sowieso immer. Alles, was die Menschen mehrheitlich denken, ist Ausdruck von

Fremdbestimmungen
Normierungen
Traditionen
Rollenbildern
Manipulationen
und einer ungebrochenen
Selbstinszenierung des männlichen Imaginären.

Kurz: Alles, was wo Frauen und Männer noch nich gleich sind, ist illegitim. Deshalb gibt es den Feminismus. Die erste nichttotalitäre Weltanschauung, die das erste Mal in der Menschheitsgeschichte nur Gutes bewirkt. Weil sie nämlich genau weiß, wo wir Menschen hinmüssen und wo die Wahrheit über Mann und Frau liegt.

Wie gesehen liegt das Problem genau darin, daß unsere allgemeinen Auffassungen von Mann und Frau genau falsch sind und deshalb in die richtige Richtung geändert werden müssen.

Schauen wir uns mal den Artikel an, der bei der Mädchenmannschaft erschienen ist. Dort läßt sich über unser Humorverständnis folgendes lesen:

Doch so einfach ist das nicht, sagt nun Laura Mickes der University of California, San Diego. Sie bat 32 Studierende, sich in kurzer Zeit Witze für vorgegebene Cartoons auszudenken. Andere Studierende sollten anschließend die Witzigkeit bewerten, ohne das Geschlecht der jeweiligen Autor_innen zu kennen. Die Autoren schnitten dabei tatsächlich etwas besser ab als die Autorinnen. Allerdings nur 0,11 Punkte auf einer Skala von 1 bis 5. Und: Männer fanden Autoren lustiger als dies Frauen taten.

Liebe Mädchenmannschaft,

da aus euch noch richtige Alphamädchen werden sollen, die auch geistig-intellektuell den Krieg gegen die Männer gewinnen können, hier ein paar Tips von mir.

Es gibt ein Wort, das heißt „Experimentalkritik“. Damit guckt man sich an, ob Ergebnisse von Experimenten so einfach auf die Wirklichkeit zu übertragen sind und inwieweit die experimentellen Anordnungen und die gezogenen Schlußfolgerungen kritikwürdig sind.

In der sogenannten Realität laufen uns nicht irgendwelche vorgefertigten Cartoons über den Weg, bei denen wir uns nach Aufforderung etwas Lustiges ausdenken.

Die Realität läuft so ab: Man ist gut drauf, freut sich, ist in guter Stimmung und erkennt irgendwo nach den eigenen subjektiven Maßstäben einen lustigen Zusammenhang. Der häufig viel mit der eigenen und der persönlichen Situation der anderen zu tun hat.

Und dann ist da noch irgendwie die Gruppensituation, wo die bösen Männer häufig dominieren.

Man könnte auch einfach sagen, in realen Situationen besteht viel mehr Potential und Anlaß für humorhervorbringendes Genie. Und auch die Gruppen- oder Publikumssituation scheint hier Männern entgegenzukommen.

Könnten genau diese Umstände etwas mit unserer Alltagswahrnehmung von Männern und Frauen zu tun haben?

Also, liebe Mädchenmannschaft, es gibt so ein paar kleine gewisse Zweifel daran, ob diese Experimentalsituation so einfach auf die Wirklichkeit übertragbar ist.

Aber immerhin hat eine Forscherin mit 32 Probanden experimentell bewiesen, daß Frauen genauso lustig sind wie Männer.

Ich wollte euch jetzt nicht belehren oder so. Ich wollte euch nur mal erklären, was Experimentalkritik ist. Das braucht ihr im Kampf gegen die männliche Dominanz. Frauen haben auch intellektuell einiges drauf. Wird bestimmt auch demnächst experimentell bestätigt.

Und das lieben wir ja auch so sehr an den Frauen, ihr systematisches Denken, ihre Rationalität, ihr profundes Wissen.

Man kann übrigens auch noch fragen, was das eigentlich für eine nette Dozentin ist an der Juniwörsiti of California, San Diego. Interessant wäre z.B., ob sie einen feministischen Hintergrund oder irgendetwas mit Gender Studies zu tun hat.

Daraus ergibt sich zwar nicht zwingend, daß die Ergebnisse Müll sein müssen oder eine normative Haltung vorliegt. Ein bißchen Zweifel wären aber angebracht.

Dann kann man auch noch den gegenwärtigen Zeitgeist kritisch studieren, der eine mögliche Gleichheit von Mann und Frau willkürlich mit dem Ziel der Gleichberechtigung verknüpft.

So, das war jetzt sicherlich viel „Mansplaining“ und „Herrklären“. Da mein Gender im Moment aber immer noch weiblich ist, hoffe ich, daß Ihr Euch nicht wie kleine dumme Mädchen vorkommt.

Zumal ja auch bei anderen Experimenten bewiesen ist, daß wir menschlichen Wesen uns z.B. bei Personenbeschreibungen im generischen Maskulinum nachweislich (!) weniger weibliche Personen vorstellen.
In diesen Experimenten werden den Studierenden Schilderungen vorgelegt, die sie lesen und dann bewußt bewerten sollen in bezug auf die „geschlechtliche Repräsentanz“.

Wenn diese Studenten und Studentinnen sich das dann vorstellen, dann kommen sie zu dem Schluß, daß Doppelnennungen, große Is und anderes Gedöns viel besser das weibliche Geschlecht mit abbilden, als wie das die bösen ge(g)nerischen Maskulina tun tätigen machen.

Wieso ist eigentlich noch nicht Anna-Normalverbraucherin darauf gekommen und hat ihren Sprachgebrauch umgestellt?

Sie hat wohl nicht studiert.

In was für einem geistigen Zustand muß man eigentlich sein, um überhaupt auf den Gedanken kommen zu können, solche Experimente zu machen? So etwas überhaupt als relevant für wissenschaftliche Forschung einzustufen? Inwieweit ist solch eine Experimentalsituation mit dem intuitiven Alltagsgebrauch zu vergleichen? Spielt das Geschlecht solch eine Rolle in allgemeinen Aussagen? Könnte es sein, daß eine Abstraktion vom Geschlechtlichen sprachlich praktischer ist, weil das Geschlecht in der Regel irrelevant ist oder sich aus der konkreten Situation ergibt?

Was machen wir eigentlich mit dem generischen Maskulinum? Wollen wir möglichst einfach, schnell und konventionell sagen, daß alle gemeint sind? Oder schreiben wir es auf einen Zettel und gucken dann, inwieweit wir uns Männer und Frauen im Vergleich zu geschlechtsneutralen Formen oder Doppelnennungen gedanklich vorstellen?

Weil wir ja unter jeden Umständen eine „Diskriminierung“ von Frauen vermeiden wollen.

Ist es eigentlich Aufgabe einer spezifischen Sprachübereinkunft, für einen möglichst „geschlechtergerechten“ „gedanklichen Einbezug von Frauen“ zu sorgen? Was liegen hier für Wertungen und Interessen seitens der Forschenden vor?

Warum insteressiert es eigentlich kein Schwein und keine Sau, daß der „geringere gedankliche Einbezug von Frauen durch das generische Maskulinum“ höchstwissenschaftlich bewiesen wurde?

Liebe Mädchenmannschaft,

das ist Experimentalkritik.

Zum Spaß: „Effekte des generischen Maskulinums und alternativer Sprachformen auf den gedanklichen Einbezug von Frauen“ (PDF)

PS: Sind für die Mädchenmannschaft Frauen eigentlich gleichwertig, wenn sich herausstellen sollte, daß sie weniger Humortalent haben als Männer? Ich hoffe doch.

6 Kommentare
  1. Es wird uns nicht erspart bleiben, immer auch auf der Metaebene die Frage zu stellen: Wer hat diese Studie gemacht? Welchem Zweck kann sie dienen?

    Schade, dass es soweit gekommen ist und die postmoderne Agitation anscheinend anstelle einer an Wahrheit interessierten, wissenschaftlichen Auseinandersetzung getreten ist.

  2. Omti permalink

    Interessanter Kram… das bedeutet also Frauen können Witze schreiben, aber sie nicht vortragen.

    Wenn sie das „generische Maskulinum“ so sehr stört, dann sollen sie halt das Femininum abschaffen, damit das Maskulinum per Definition zum Neutrum wird. Anstatt dann für 4 männliche Autoren AutorInnen zu schreiben und zu sagen (sic!) , kann man dann auch gleich bei Autoren bleiben.
    Aber leider muss ich jetzt jedesmal wenn jemand Autorin/nen sagt davon ausgehen, dass es sich dabei um Männer handelt.
    Manchmal frage ich mich, wer diesen Leuten ins Gehirn geschissen hat. Können die sich nicht verhasst machen indem sie an der Mensa Vedgie-days oder anderen Scheiss einführen?

    Einige LEute scheinen nur dann Glücklich zu sein, wenn sie anderen Vorschreiben können wie diese zu Leben, zu Sprechen und zu Denken haben.

  3. @Omti

    Das Interessante ist ja, wozu soll das alles gut sein. Wozu macht man eigentlich solche Experimente? Man stelle sich vor, Frauen würden deutlich besser abschneiden. Wahrscheinlich würde sich die ganze Gesellschaft ändern und Late Night Shows würden überwiegend von Frauen moderiert werden.

    Was für einen Wert haben diese Ergebnisse? Auch bzgl. generisches Maskulinum. Erst mal sind die Experimente selbst fragwürdig, was ihre Realitätstauglichkeit betrifft. Ein normaler Mensch könnte auch schon vorher registrieren, daß die Ergebnisse, wie auch immer sie ausfallen, null Relevanz für die Wirklichkeit haben werden.

    Harlekine, Trolle, Clowns, Hofnarren? Ich glaub ich bin im falschen Film. Die Geschichte ist frauenfeindlich verlaufen. Wirklich null Indizien dafür, daß Männer von Natur aus humorfähiger sind.

    Wird der normale Mann auf der Straße geschlechtsneutrale Formen verwenden?

    Diese Leute sind eigentlich nur noch geisteskrank. Null Kontakt zur Realität. Deshalb muß man davon ausgehen, daß es ideologisch motivierte Forschung ist. Man kann das natürlich noch an vielen anderen Indizien nachweisen.

    Im Grunde genommen ist es schon lächerlich, hier so viel Raum diesem Zeug zu geben und es kritisch zu analysieren.

    Der normale Mensch sagt tatsächlich einfach nur: Was ist mit denen los?

    Man fragt sich, was das für Dozenten und Wissenschaftler sind, die null Sensibilität für Fragen des Zeitgeistes haben und für das Problem von zweckgerichteter, interessengeleiteter Forschung, die bestimmten Weltbildern und politischen Zeitströmungen huldigt.

    Das ist schon absurd, was an der Universität abgeht. Das sind doch eigentlich die Leute, die mit solchen Begriffen und so einer Reflexionsebene umgehen können müssen.

  4. sebamax permalink

    „Professorinnen, Huren und Tänzerinnen kann man überall für Geld haben; sie gehen dahin, wo man ihnen einige Groschen mehr gibt.“

    König Ernst August von Hannover (1771 – 1851)

  5. sebamax permalink

    Ich habe mich nach Beratung mit einem Anwalt (Bruder) doch dazu entschlossen, den Femanzen und Hatr eins überzubraten.

    Mag sein, dass Kommentare, die von Femanzen Blogs an Hatr geschickt werden, in einer gewissen Grauzone nicht zu beanstanden sind.

    Es ist aber etwas völlig anders, von einem Blog, der nichts damit zu tun hat, diese Kommentare zu sammeln und an Hatr zu schicken. Wie hier passiert.

    Ich bräuchte nur eine Bestätigung das ein gewisser Beitrag hier erschienen ist und ggf. bei einem Gerichtsverfahren dich als Zeugen? Wird eh auf einen Vergleich hinauslaufen bzw. werden sie die Geld“strafe“ zahlen müssen.

    Geht das klar?

    Die, die das Projekt machen, bei denen ist was zu holen, da hab ich mich zuerst erkundigt. Denen gehört so ein Landheim für Kongresse.

    Rechtlich ist die Sache klar, aber ohne dich wird schwer.
    Natürlich wird das dann auch alles öffentlich gemacht, wie diese Femanzen arbeiten, da sie z.B. bei meinem Beitrag die (wesentliche) Hälfte weggelassen haben und ich den Kommentar HIER geschrieben habe.

  6. Hallo Sebamax,

    ganz abgeneigt bin ich nicht. Ich habe allerdings wenig Lust, die ganzen Formalitäten und den Aufwand mitzumachen. Du müßtest ja klagen, daß Meinungsäußerungen von Dir in einen Schmutzkontext gezogen und in die Nähe von „Vergewaltigungsandrohungen“ und all dem Gedöns gerückt werden.

    Im Grunde genommen ist das schon eine krasse Sache, wenn man’s genau nimmt. Was sagt denn dein Bruder zu dem Streitwert oder der möglichen Strafe? Mich würden die Details interessieren.

    Viel wichtiger finde ich allerdings, daß wir alle wissen, was das für Leute sind.

    Ich habe auch ehrlich gesagt wenig Lust, mich auf das Spießrutenlaufen einzulassen mit diesen kranken Personen. Du kannst dir denken, daß diese Leute keinerlei Unrechtsbewußtsein haben und vor Gericht leutselig erklären werden, daß sie arme „Frauenrechtlerinnen“ sind, deren letzte Zuflucht hatr.org ist, wo sie ganz schlimme Kommentare sammeln.

    Wir leben ja in einer Juristokratie und ich habe wenig Lust, die emotionale Wahrheit auf dem Altar der „Rechtsstaatlichkeit“ zu opfern. Wo alles durch einen juristischen Fleischwolf von Formeln, Klauseln etc. gedreht wird.

    Bei diesen perversen Personen muß man auf alles vorbereitet sein. Die kennen keine Moral. Und in unserer Justiz ist da alles möglich. Es geht uns da so ähnlich wie Regimekritikern in totalitären Systemen. Wir müssen die Wahrheit in einem Unrechtssystem hochhalten.

    Es ist unter Umständen besser, diese Wahrheit für sich zu behalten.

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