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Antje und die Freiheit: Was wir Männer vom Feminismus lernen können

November 23, 2011

Antje ist der Meinung, daß das Patriarchat möglicherweise schon zu Ende ist. Was genau ist denn dann eigentlich zu Ende? Was ist das Patriarchat? Das will uns die liebe Antje aber nicht sagen. Der Christian hat die Antje auch schon mal gefragt. Da wollte die Antje aber nich antworten.

Denn so etwas zu fragen ist nämlich auch schon patriarchal. Die Männer wollen nämlich immer objektiv definieren. Man muß doch gar nich sagen, was patriarchal ist. Antje ist so ein tolles Mädchen. Sie zeigt es den Männern. Sie hat promoviert. Genauso wie Silvana und Karl-Theodor. Antje ist gebildet. Was Frauen früher nicht durften.

Wir sagen den Männern nicht, was Patriarchat ist. Die sind doof. Dann könnten sie uns ja noch festnageln und Hexenprozesse mit uns machen. So einfach machen wir es den Männern nicht.

Also dis Patriarchat is vorbei. Die Antje will uns was von einem Professor erklären. Der ist auch Feminist. Der Professor fragt sich, vor welchen Aufgaben und Herausforderungen wir Männer heute stehen, wo das Patriarchat zu Ende is.

Ich hab mich das auch schon oft gefragt. Wie geht es mit uns weiter ohne den Patriarchat? Immer wieder der Gedanke, jetzt is das Patriarchat zu Ende. Wie gehe ich damit um? Ich rede öfter mit meinen Freunden über das Thema. Die sind total hin und weg, haben viele Bücher über das Patriarchat gelesen und wissen nicht mehr, wer sie jetzt eigentlich sein wollen, wo das Patriarchat zu Ende is. Früher war’s einfach. Wir ham uns einfach patriarchal verhalten. Abba als junge Männer geht das jetz nich mehr. Weil die Feministinnen haben das verboten. Irgendwie stehen wir vor schwierigen Aufgaben. Der Mann ist in der Krise. Und alle anderen Männer auch. Überall auf der Welt. Wegen den Feminismus. Man kann nicht mehr so einfach „traditionelle Männlichkeiten reproduzieren“. Wie darf ich mich verhalten? Was kann ich machen, um ein guter Mann und Mensch zu sein?

Wir brauchen die Hilfe von der Antje und den Professor. Nich wahr? Mann, ey. Die Strukturen verändern sich so und wir wissen nich mehr, wie weiter. Wie gibt man die patriarchalen Verhaltensweisen auf und verhält sich wie ein richtiger Mann, der nich mehr patriarchal sein will?

Ich kenne keinen Mann, den das nicht beschäftigt, diese Frage. Ich höre täglich Sätze von meinen Freunden wie:“Ich will mich jetzt postpatriarchal und profeministisch verhalten, um meine Identitätskrise zu überwinden“. Die Antje ist eine taffe Frau, ganz so, wie wir Männer jetz Probleme mit haben. Wo dis Patriarchat zu Ende is. Jetzt gucken wir mal in Antjes geheimnisvollen Tagebucheintrag. An Anfang von ihren letzten Text sagt sie was über den Professor, der die Männer besser machen will. Der Professor is wichtig:

„Mir scheinen seine Überlegungen interessant, und vielleicht sind sie das ja auch für den ein oder anderen Mann im deutschen Kontext. Wobei er aus der Position eines Mannes schreibt, der vom Feminismus viel gelernt hat, der die Freiheit von Frauen als Chance und nicht als Bedrohung sieht und an konstruktiver Zusammenarbeit mit Frauen interessiert ist – alle anderen brauchen hier bitte auch gar nicht erst weiterlesen.“

Kraß, wa? Voll emanzipiert.

Wie lerne ich, konstruktiv mit Frauen zusammenzuarbeiten? Jetzt in dieser Umbruchzeit? Wo ich voll Unsicherheit bin. Die Männer werden ja von den Frauen herausgefordert. Die Frauen haben sich weiterentwickelt und sind jetzt besser. Die Männer kapieren das noch nicht so richtig und wollen Patriarchen bleiben.

Die Männer müssen sich jetz ändern, nachdem sich die Fraeuen geändert haben.

Der Feminismus is das, wo die Männer von lernen, daß man Frauen auch respektfoll behandeln kann. Im Patriarchat war dis noch voll anders. Der Martin Luther hat zun Beispiel schon als Kind ganz heftig seine Mutti getriezt, daß sie ihn ganz doll schlagen mußte. Da wurden selbst die Mütter von ihren Söhnen unterdrückt. Da durfte man nicht zimperlich sein. Und die liebe Antje, die wurde auch ganz doll von der lieben Mutti geohrfeigt. Das hat sie mal ins Tagebuch geschrieben. Aber damals hat das der Papi befohlen. Das ist nich so schlimm. Die Mutti wurde ja vom Papriarchat dazu gezwungen!

Ganz schlimm, dis.

Die armen Frauen. Wir Männer müssen besser werden.

Die Mutti von Antje hatte keine Verantwortung und wurde vom Patriarchat gezwungen. Mutti is doch die beste. Die hat es doch nur gut gemeint.

Also vom Feminismus lernen wir, die Frauen respektvoll zu behandeln. Vorher ging das noch nich. Wodurch lernen eigentlich die Frauen, die Männer respektvoll zu behandeln? Braucht man da auch was für?

Die ham die Männer glaub ich immer schon respektvoll behandelt. Geht ja gar nicht anders. Im Patriarchat! Die Welt ist so toll, wenn man sie sich feministisch zusammendenkt. Dann ergibt auf einmal alles einen Sinn.

Wie gut daß es den Feminismus gibt, denn vorher konnten die Männer die Frauen noch nicht respektvoll behandeln. Das ging davor noch nich. Der Feminismus is also wichtig. Und die promovierte Antje hat das rausgefunden. Durch ihre Subjektivität. Damit stellt man Begründungszusammenhänge her.

Toll Antje! Hast du gut herausgefunden. Wir Männer brauchen den Feminismus, um respektvoll gegenüber Frauen zu sein. Das ist ja total richtig, wenn man das als promovierte Frau sagt. Wie sollte es auch anders sein? Den Feminismus brauchen wir schon. Dafür muß man feministische Bücher lesen. Oder sich das von einer Feministin sagen lassen.

So jetzt kommen wir aber mal zum richtigen Problem, nämlich wie wir Männer nach dem Patriarchat weiterleben können, wie wir postpatriarchal leben können. Die Antje sagt noch folgendes über den Professor:

Die These von Riccardo Fanciullacci ist nun, dass Frauen sich diese pragmatische Abwendung vom „Patriarchat“ als Kategorie leisten können, weil für sie das Thema tatsächlich in dem Moment inhaltlich erledigt ist, in dem sie patriarchalen Denkmustern die Glaubwürdigkeit entziehen. Männer hingegen nicht. Männer könnten nicht bloß pragmatisch mit den Ausläufern des Patriarchats umgehen, weil sie in ihrem eigenen Mannsein davon betroffen sind. Freie, also postpatriarchale Männer, so seine These, können sie nur werden, wenn sie „die Aufarbeitung der dunkelsten und tiefgreifenden Wurzeln der patriarchalen symbolischen Ordnung wieder aufnehmen. Die kritische Arbeit am männlichen Symbolischen könnte für uns Männer der direkteste Weg sein, um uns weiterzubringen und die Formen zu verändern, die unseren inneren Weg und unser Begehren prägen.“

Uff! Das sind doch mal klare Worte von ein Professor. Und genau die Begrifflichkalten, die mir immer fehlten, um meine Situation als Mann beschreiben zu können und mich über mir selbst klar zu werden.

Endlich verstehe ich mein Problem! Danke Antje!

Jetzt kann ich meinen Freunden helfen. So ist das mit den Männern. Wir müssen noch unsere Schuld eingestehen und die schlimmsten Ausformungen des Patriarchats aufarbeiten. Präziser kann man die Situation des Mannes in heutiger Zeit nicht beschreiben. Hier liegt unsere Unsicherheit, hier die Orientierungslosigkeit.

In uns allen stecken noch Relikte patriarchalischer Zeit. Das wußte ich gar nicht. Bei den Frauen is dis nich mer drin. Aber bei den Männern is dis schon noch drin. Weil die nämlich Männer sind. Die Männer sind davon noch irgendwie schuldig. Da sind noch Relikte drin.

Was die Antje alles weiß.

Wieso haben dis die Frauen eigentlich verlorn? Und wiso is dis bei Männern noch drin? Komisch. Daß dis bei allen Frauen raus is, aber bei allen Männern noch drin. Die Fraun haben doch auch noch Verhaltensweisen vom bösen Patriarchat in sich, als sie noch unterdrückt wurden. Dis Patriarchat ging ja noch so bis 1990. Bei denen is dis irgendwie nich son Problem, weil die ja keine Männer sind und weil die Feministinnen bei denen dis schon rausgemacht haben. Bei uns Männern is dis noch drin.

Wir sind alle ürgendwie Patriarchen.

Es ist immer wieder ergreifend, was Analysen von Feministinnen wie der lieben Antje an Erkenntnis zu Tage fördern.

Ich bin so dankbar für diese klaren Worte des Professors. Jetzt weiß ich, wo meine Probleme liegen. Der Professor hat genau das benannt, was schon jahrelang in mir schlummerte, wofür ich aber nie Worte finden konnte. Das ist das, was junge Männer heute bewegt. Wieso hat dis eigentlich noch niemand anders so auf den Punkt gebracht?

Dis steht bestimmt demnächst in allen Zeitungen.

Der Professor is wohl ’nen Genie und bald werden alle anderen Professoren das auch so sagen wie der.

Wenn wir postpatriarchale Männer werden wollen, müssen wir folgende Ratschläge des Professors befolgen:

Erstens: Zu lernen, vor einer Frau zu stehen und ihre Erfolge, ihre Bewegungsfreiheit und die Interessen, die sie irgendwo hin führen, wahrzunehmen, ohne die leiseste Sehnsucht aufkommen zu lassen nach dem alten Bild der Frau als Spiegel, die dem Mann seine eigene Figur in doppelter Größe zurückwirft.

Zweitens: Zu lernen, ihr unsere Bedürftigkeit zu zeigen, ohne gleichzeitig von ihr zu verlangen, unsere Mutter zu sein; oder auch: Die eigene Mutter zu lieben, ohne von jeder anderen Frau die Liebe einer Mutter zu erwarten.

Drittens: Zu lernen, ihr eine hingebungsvolle und ernst gemeinte erotische Kreativität anzubieten, die nicht die Liebe kleinmacht und an ihrer Stelle den immer wieder selben sexuellen Phantasien Raum gibt.

Ich bekenne mich hiermit zu diesen drei Geboten und dazu, daß auch ich endlich meine patriarchale Hülle fallen lassen möchte.

Möge die Transformation des männlichen Selbst beginnen!


Demnächst nur auf diesem Kanal: Antje und die Freiheit! – Die geheimen Tagebucheinträge von Antje Schrupp

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Eine internationale Co-Produktion von GenderTV, DeBiLplus und Schwafel1

11 Kommentare
  1. Warum tust du dir den geistigen Dünnpfiff denn noch an? Sie spricht von postpatriarchal ist aber nicht Willens – imstande? – zu definieren, was das ist, was überwunden wurde. Na bravo! Nur nicht angreifbar machen; „Sound-of-Music“-Style eben. Die Jungen müssen aufgeweckt werden, nicht der Feind😉

  2. Hallo!

    Früher, ganz früher, haben Männer die Weiber auf dem Markt gekauft. Das gibt es heute noch – nennt sich Prostitution. Der Mann hat seine Frau dann in den dunklen Keller gesperrt und nach allen Regeln der Kunst sexuell belästigt und vergewaltigt. Bildung stand den Frauen nicht zu, denn die einzige Bestimmung der Frau war, Söhne zu gebären, die in das väterliche Erbe eintreten konnten. Da wäre Bildung herausgeschmissenes Geld gewesen.

    Diese furchtbaren Zustände nennen sich Patriarchat. Versteht ihr das?

    Das alles ist jetzt aus und vorbei. Na gut, Prostitution gibt es schon noch. Dafür gibt es jetzt aber massenhaft Scheidungen, alleinerziehende Eltern, die Pille. Ehe und Familie sind nämlich patriarchalische Einrichtungen. Diese Einrichtungen sind recht brüchig geworden. Das ist das Postpatriarchat. Versteht ihr das auch noch?

    Das Paradoxe am Postpatriarchat ist aber, daß die Weiber viel stärker unter dem Zerfall des Patriarchats leiden als die Männer. Das liegt einfach daran, daß die Weiber ein viel stärkeres Interesse an belastbaren und langlebigen Beziehungen haben als die Männer. Die Weiber sind zwar nun der Gewalt und der wirtschaftlichen Abhängigkeit der Männer entkommen. Dafür fehlt ihnen jetzt auch die Sicherheit. Dumme Sache.

    ps: Laß die arme Antje mal in Ruhe. Das da zum Beispiel sieht aus wie Borderline-Störung ist aber gewöhnlicher Feminismus.

  3. Hallo Georgi,

    danke für deine Definition von Patriarchat.

    Ehe und Familie sind nämlich patriarchalische Einrichtungen.

    Sind dann Ehen und Familien, die stabil sind und gut funktionieren, patriarchal?

    Früher, ganz früher, haben Männer die Weiber auf dem Markt gekauft. Das gibt es heute noch – nennt sich Prostitution. Der Mann hat seine Frau dann in den dunklen Keller gesperrt und nach allen Regeln der Kunst sexuell belästigt und vergewaltigt. Bildung stand den Frauen nicht zu, denn die einzige Bestimmung der Frau war, Söhne zu gebären, die in das väterliche Erbe eintreten konnten. Da wäre Bildung herausgeschmissenes Geld gewesen.

    Diese furchtbaren Zustände nennen sich Patriarchat. Versteht ihr das?

    Gab es denn früher auch Männer, die ihre Weiber nicht auf dem Markt gekauft haben?

    Wie entstehen deiner Meinung nach eigentlich Männer, die Frauen schlecht behandeln?

  4. Was ich ein bisserl schade finde, ist, dass der Professor so gar nichts von den patriarchal-widerlichen Penetrationsgelüsten sagt. Ich meine, wie man sie überwindet und so. Denn das Schlimme und Eklige in der postpatriarchalen Phase ist ja, dass es diese abscheulichen Penetrationen noch immer überall gibt, zu Lasten gerade auch freiheitsliebend-feministisch aufgeklärter FrauInnen, die sich nicht an gläsernen Decken abarbeiten wollen und die mutig auf die Quotensänfte und sexpositiven Zugang zu Pornografie setzen.

  5. Sind dann Ehen und Familien, die stabil sind und gut funktionieren, patriarchal?

    Diese Institutionen an und für sich sind patriarchal. Stabile und gut funktionierende Ehen und Familien sind solche, denen es gelang, sich gut mit dem Patriarchat zu arrangieren.

  6. Gab es denn früher auch Männer, die ihre Weiber nicht auf dem Markt gekauft haben?

    Wie entstehen deiner Meinung nach eigentlich Männer, die Frauen schlecht behandeln?

    Heiraten aus Liebe war früher nicht üblich. Ehen wurden früher von den Eltern über den Köpfen der Kinder hinweg ausgehandelt. Dabei wurden in erster Linie wirtschaftliche und poitische Gesichtspunkte berücksichtigt. Die Eltern hatten kein Problem, ihre 14jährige Tochter mit einem 65 Jahre alten General zu verheiraten, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse geordnet waren, und die Ehe einne gute Partie versprach.

    Natürlich gab es damals höfliche, rücksichtsvolle, aufmerksame Männer. Die Verhältnisse erlaubten dem Mann einiges, was man heutzutage als anstößig empfinden würde. Man könnte hierzu mal wieder Tolstois „Kreutzersonate“ oder Fontanes „Effi Briest“ lesen.

  7. Diese Institutionen an und für sich sind patriarchal. Stabile und gut funktionierende Ehen und Familien sind solche, denen es gelang, sich gut mit dem Patriarchat zu arrangieren.

    Was verstehst du denn darunter, „daß Familien sich mit dem Patriarchat arrangieren“?

    Woher hast du diese Kenntnis, daß intakte Familien sich mit einem Patriarchat arrangieren und genau deshalb intakt sind?

    Was würde geschehen, wenn sich herausstellte, daß intakte Familien auch aus anderen Gründen bestehen können als aus einem Arrangement mit einem Patriarchat?

    Was würde dies für deine Anschauungen bedeuten?

  8. Na, Du stellst Fragen.

    Stell Dir mal vor, Deine Großmutter hätte Dich an die Tochter des Pastors verkuppelt. So etwas ist nicht schön. Diese ganze patriarchale Kuppelei ist verabscheuungswürdig. Trotzdem könnte es doch sein, daß die Sache gut ausgeht. Das wäre aber reiner Zufall, oder ihr Brautleute arrangiert Euch irgendwie, führt eine „Vernunftehe“ der Konvention und der guten Sitten wegen. Du gehst heimlich in den Puff, und die Frau vergnügt sich auch irgendwie. Jeder von Euch beiden weiß es, behält die Wahrheit für sich. Oder ähnlich.

  9. Na du gibst ja Antworten.

    Ich beziehe mich auf die Gegenwart. Darauf bezogen sich deine Aussagen.

    Auf ein neues.

    Du zeigst eine gewisse Falsifikationsblindheit. Das ist ein ernstes Zeichen, Georgi.

  10. Hi James,
    gibt es von dir auch ne Mail-addy? Kannst du mich kontaktieren? Meine Mailadresse ist in meinem About zu finden. Ich habe da etwas Interessantes herausgefunden.

    Gruß
    terminatus

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