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Die Mädchenmannschaft und ihre Fußballkompetenz

Juli 9, 2012

Vor kurzem hat die Mädchenmannschaft wieder eine Benachteiligung von Frauen entdeckt. In einer Bilderserie zu den Feiern nach dem EM-Sieg Spaniens werden in ein paar Formulierungen die kleinen Töchter der spanischen Siegermannschaft diskriminiert:

Es gibt viele theoretische Texte und Gedanken zu männlicher Ge­schichts­schreibung. Praktisch demonstriert wird diese Theorie gerade in einer Bildstrecke bei Spiegel Online mit dem Titel: „Spanischer Jubel: Kinderspielplatz in Kiew“. Nach dem Sieg des EM Fußballfinales der Männer gestern hatten einige Mitglieder der spanischen Mannschaft ihre Kinder auf den Rasen geholt, um dort mit ihnen zu feiern. Kleine Mädchen und Jungs liefen in Trikots der spanischen National­mannschaft über den Platz und … halt, schrieb ich „Mädchen“? Wen interessieren denn die Mädchen, wenn es um Fußball geht?

Spiegel Online zumindest schon mal nicht. In den Bildunterschriften besagter Klick­strecke, die sich hauptsächlich um die beiden Kinder von Fernando Torres dreht, wird dessen Tochter konsequent ausgeblendet. Genauso wie die anderen kleinen Mädchen auf dem Platz

Da haben wir also die nächste Diskriminierung von Frauen. Die Mädchenmannschaft beschwert sich wiefolgt:

Auf den Bildern ist Torres’ Tochter genauso deutlich abgebildet wie sein Sohn.

„Die Frau ist nicht der Rede wert“, so betitelt Luise F. Pusch eines ihrer Bücher. Wie Recht sie doch hat.

Luise Pusch, das ist die Frau mit der elektronischen Penisfessel, die Männer tragen sollten, weil sie unter „peniler Inkontinenz“ litten. In der Bilderstrecke wird eine lustige Analogie aufgemacht zwischen der spanischen Nationalmannschaft und ihren Söhnen, die schon als Nachwuchs in den Startlöchern stehen. Da ist der Sohn von Fernando Torres schon der mögliche zukünftige Goalgetter.

Daß es sich bei den Europameistern um Männer handelt und daß Frauenfußball im Vergleich zum Männerfußball relativ unwichtig ist – erst recht wenn es um den normalen Bundesligafußball geht – kann aber nicht als Entschuldigung gelten. Auf dem Spielfeld freuten sich natürlich auch die Töchter der spanischen Nationalspieler. Nur blöd, daß keine weibliche Nationalmannschaft gespielt hat. Da hätte man jetzt auch eine schöne Analogie mit den Töchtern machen können. Kann man es Spiegel-Online verzeihen, daß sie ihre humorvolle Betrachtung nur auf die Jungs bezogen haben?

Die Mädchenmannschaft und viele ihrer Kommentator_*#’innen können dies nicht.

Auf dem ersten Bild nimmt Fernando Torres nach Spielende seinen Sohn Leo aus dem Publikum in Empfang. Die Bildunterschrift des zweiten Bildes lautet so:

Dann betrat die nächste Generation das Spielfeld: Torres setzt seinen Sohn auf dem Rasen ab. Natürlich trägt er das Trikot der spanischen Nationalmannschaft.

Das war nicht in Ordnung. Denn ganz links auf dem Bild steht auch noch die Tochter von Torres.

Der Satz muß also richtig lauten:

Dann betrat die nächste Generation das Spielfeld: Torres setzt seinen Sohn auf dem Rasen ab. Natürlich tragen er und seine ältere Schwester das Trikot der spanischen Nationalmannschaft.

Im dritten Bild laufen die beiden Kinder freudig vor Torres umher. Die Bildunterschrift lautet aber:

Und ab ging’s zum Jubeln in den Strafraum. Die Laufwege kennt der Torres-Sohn schon ganz genau.

Es geht ja wie gesagt um die männliche Nationalmannschaft und dieses lustige Bild von den Nachfolgern. Ist es jetzt ungerecht, wenn man das Mädchen in dem Bild nicht erwähnt? Eine gleichberechtigte Bildunterschrift sieht so aus:

Und ab ging’s zum Jubeln in den Strafraum. Die Laufwege kennen die beiden Torres-Kinder schon ganz genau.

Hört sich doch viel schöner an – in einer gleichberechtigten Gesellschaft – zu den Finalfeiern der Männer-Nationalmannschaft.

In den folgenden Bildern kann man sehen, wie Torres-Sohn Leo am Pfosten steht und mit seinem Vater schäkert, wie drei kleine spanische Jungs im Tornetz stehen und wie Leo gerade eine recht athletische Pose mit dem Ball hinlegt.

Jetzt werden sich sicher schon viele wundern, woher ich bereits die richtigen gendergerechten Formulierungen für diese Bildstrecke kenne. Nun, das liegt daran, daß die Mädchenmannschaft sogleich bei Spiegel-Online intervenierte und sich über die sprachliche Benachteiligung der Töchter der spanischen Nationalmannschaft beschwerte. So kam es mal eben dazu, daß die Redaktion die gesamte Bilderstrecke umschrieb und nun auch die Mädchen miteinschloß.

Wer jetzt diese Bilder anklickt, kann sich nur noch ein gleichberechtigtes Bild der Finalfeiern machen.

Insgesamt sind auf der Bildergalerie mehr Jungs auch in eindeutigen Posen zu sehen, sodaß der Witz mit der spanischen U6-Nationalmannschaft durchaus Sinn machen würde. Schade um dieses schöne Bild. Zu den bundesweiten Großdemonstrationen des Equal Pay Day, die – noch – weitgehend friedlich verlaufen, könnten sich bald noch Kundgebungen für geschlechtergerechte Bildunterschriften bei Spiegel-Online unter besonderer Berücksichtigung sportlicher Großereignisse hinzugesellen.

Wie lauteten noch einmal die ersten Sätze des Mädchenmannschaftsartikels – natürlich gendergerecht korrigiert?

Es gibt leider recht wenig Texte und Gedanken zu feministischer Ge­schichts­schreibung, Deutungshoheit und Manipulation. Praktisch demonstriert wird der feministische Totalitarismus gerade am Umgang des Blogs Mädchenmannschaft mit einer Bildstrecke bei Spiegel Online.

2 Kommentare
  1. Omti permalink

    Leider haben die Spiegelonline Redakteure keine Eier, denn sonst hätten sie einfach die Mädchen aus den Bildern entfernt. Wer sich über so etwas empören muss hat ganz klar zu viel Freizeit. Vielleicht sollte der Staat Arbeitsbeschafungsmaßnahmen für gelangeweilte Feminist/innen einführen. Das würde dem Rest der Bevölkerung eine Menge Kopfschmerzen ersparen.

Trackbacks & Pingbacks

  1. Sie haben es schon wieder getan! « Neues aus dem Gender-Universum

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