Skip to content

Sie haben es schon wieder getan!

Juli 15, 2012

Es ist schon wieder geschehen. Frauen werden durch mediale Berichterstattung diskriminiert. Kürzlich wurden die Töchter der spanischen Fußballnationalmannschaft verbal nicht berücksichtigt. Jetzt ist der Tennissport dran.

Die britische Zeitschrift Mail on Sunday titelt, daß ein Tennisspieler des Vereinigten Königreichs als erster nach 76 Jahren das Wimbledon-Tennisturnier gewinnen könnte. Das chronisch von Minderwertigkeitsgefühlen gebeutelte britische Volk zittert also mit Andy Murray und hofft, daß er die Nationalehre der englischen Rasse nach einem Dreivierteljahrhundert der Agonie wiederherstelle:

We’re ALL praying for you, Andy! Wimbledon, Centre Court, 2pm, and a record TV audience will hold its breath as Murray tries to become the first British winner for 76 years.

Wo werden jetzt Frauen hier genau diskriminiert? Das sagt uns die Mädchenmannschaft:

Was oder besser wen The Mail on Sunday hier gekonnt ignoriert ist die britische Wimbledonsiegerin Virgina Wade, die 1977 das Turnier gegen die Niederländerin Betty Stöve gewann.

Andy Murray würde die britische Nationalehre also erst nach 35 Jahren der Agonie wiederherstellen und nicht erst nach 76 Jahren. Na immerhin ist er ein Mann. Und der letzte Brite gewann eben vor 76 Jahren.

Die weiteren Ausführungen bei der Mädchenmannschaft sind ein schönes Beispiel dafür, auf welch krude Weise sich Feministinnen die Welt jedes Mal zurechtlügen, damit ihre Opferkonstruktionen auch bestand haben und als scheinbar gerechtfertigt erscheinen. Zunächst stellt die Autorin Folgendes fest:

Darüber hinaus ist dieser Titel übrigens ein wunderbares Beispiel für zwei Dinge: Selbst die vermeindlich so genderneutrale englische Sprache ist genau das eben nicht. Und: Entgegen der Aussagen der Menschen, die sich durch weibliche Formen, Binnen-Is oder gar Unterstriche in ihrem Lesefluss gestört fühlen, sollte sich keine Frau der Welt darauf verlassen, dass sie bei der männlichen Form schon mitgemeint sein wird.

Man kann sich ja gerne darüber echauffieren, daß Frauen hier nun sehr benachteiligt werden. Absurd wird es aber, wenn man sich folgende Twitter-Meldung anguckt:

NO Mail on Sunday, Murray will NOT be the first British winner in 76 years. Virginia Wade exists. WOMEN EXIST:

Beide Äußerungen zeigen eine völlige Unkenntnis von sprachlichen Zusammenhängen. Dies ist auch das Grundproblem bei der „feministischen Linguistik“ und der Kritik am Generischen Maskulinum. Hierzu möchte ich mal ein paar Verlautbarungen von mir geben, da ein wesentlicher Aspekt in der Auseinandersetzung mit der feministischen Sprachverhunzung bisher weitgehend unberücksichtigt bleibt: Die Kontextualität von Sprache.

Hier liegt nämlich der eigentliche Kritikpunkt, nicht in in einer angeblichen Verwechslung von Sexus und Genus, wie es häufig von Feminismuskritikern angeführt wird. Diese Argumentationsschiene führt am eigentlichen Problem vorbei. Das Wort „Person“ beispielsweise ist per se geschlechtsneutral, auch wenn es vom Genus her weiblich ist. Das Wort „Bürger“ hingegen ist per se männlich. Sowohl vom Sexus als auch vom Genus her. Eine weibliche Konnotation des Wortes „Bürger“ wird also erst über den Kontext hergestellt, über sprachliche Konventionen. Der Hinweis auf geschlechtsneutrale Wörter wie „Person“, „Gast“ oder „Staatsoberhaupt“ ist also fehl am Platze, da diese bereits vor aller Kontextualität geschlechtsneutral sind. Das generische Maskulinum stellt hingegen erst durch den Kontext das gewünschte Geschlecht bzw. die gewünschten Geschlechter her.

Stuttgarter Bürger engagieren sich gegen das Bahnhofsprojekt.

Die sprachliche Konvention lautet hier: Allgemeine unpersönliche Ausführungen sind geschlechtsneutral. Daher auch: „männliche Studenten“, wenn es nur um den männlichen Teil dieser Gruppe gehen soll.

Ich bin ein Spätzünder.

Wenn diesen Satz eine Frau sagt, weiß jeder, daß es um eine „Statusmeldung“ geht. Der Inhalt interessiert, nicht das Geschlecht. Das Geschlecht ergibt sich von selbst.

Beide Beispiele schließen kontextuell Frauen mit ein, obwohl männliche Formen verwendet werden.

Hier liegt des Pudels Kern. Die bisher formulierte Kritik an der feministischen Spracheugenik, wie man sie auch im Internet lesen kann, ist leider pseudoakademisch und geht am wesentlichen Problem vorbei. Dort wird ständig auf den Unterschied von Sexus und Genus hingewiesen, die im Deutschen nicht identisch sein müssen. Die hierfür verwendeten Beispielwörter stellen wie gezeigt die Geschlechtsneutralität nicht über den Kontext her, sondern sind sowieso geschlechtsneutral. Sie können also nicht als Beispiel herhalten für eine Legitimität des Generischen Maskulinums.

Zurück zu unserem eigentlichen Problem: Der sprachlichen Entsorgung von Frauen bei sportlichen Großereignissen. Die so sprachaffinen Feministinnen haben also noch nicht realisiert, daß Sprache vor allem eines ist: Kontext. Wir regeln hunderte Dinge implizit und kontextuell, um uns so den sprachlichen Alltag zu erleichtern. So funktioniert Sprache. Feministinnen hingegen vergewaltigen die Sprache formalistisch, um so die heiß ersehnte Benachteiligung feststellen zu können.

Dieses „Ritual des Formalismus“ findet man, wie jeder weiß, auch bei anderen feministischen Obsessionen wie der Lohndifferenzpropaganda.

Warum sagen konkrete einzelne Frauen eigentlich Dinge wie: Ich bin Nichtraucher. Ich bin Berliner. Ich bin Student.

Weil das Geschlecht nicht interessiert. Jedenfalls uns normale Menschen nicht. Entweder sehen wir das Geschlecht konkret vor uns. Kontext. Oder wir wissen, daß mit Bürgern, Schülern, Fußgängern, Klingonen und Romulanern sowohl Männer als auch Frauen dieser Bevölkerungsgruppen gemeint sind. Kontext eben.

So funktioniert Sprache. So machen wir es uns einfach.

Feministinnen haben also wesentliche sprachliche Zusammenhänge noch nicht begriffen. Das Begreifen dieser Dinge würde allerdings zu einem plötzlichen und ungewollten „Benachteiligungsschwund“ führen, der politisch wohl nicht als wünschenswert betrachtet wird.

Wenn nun in der Mail on Sunday vom ersten Wimbledon-Gewinner seit 76 Jahren gesprochen wird, so handelt es sich offensichtlich um den ersten männlichen Gewinner seit 76 Jahren. Auch das Englische kennt Geschlechter. Sonst könnten Briten und Amis gar nicht zwischen einem männlichen und einem weiblichen „winner“ unterscheiden. Hier zeigt sich sehr schön, was Kontext bedeutet. Darüberhinaus kennt das Englische auch explizit männliche und weibliche Formen wie actress und actor oder steward und stewardess. Gerade im so „genderneutralen“ Englisch läßt sich schön die Bedeutung von Kontextualität von Sprache verdeutlichen. Da hat sich die Mädchenmannschaft-Autorin wohl etwas vertan mit ihrer Analyse.

Das Englische ist also gerade ein Ausweis dafür, wie unsinnig die feministische Sprachkritik ist. Hier wird noch viel deutlicher, wie Inhalte vorbei an jedweder formalen Begrenzung über Kontexte hergestellt werden. Was ist nur aus unseren besser ausgebildeten Alphamädchen geworden, die nur noch von gläserner Decke und männlichem Machismo von den ihnen angemessenen und wohlverdienten Spitzenpositionen ferngehalten werden?

Ist es schon so weit gekommen, daß ein rechtsextremer, antisemitischer Maskulist mit Legasthenie und Rechtschreibschwäche einer Feministin sprachliche Zusammenhänge erklären muß? In welchen Zeiten leben wir?

Man kann nur hoffen, daß der Feminismus bald ausstirbt.

Männlichkeit und Weiblichkeit existieren also in der Sprache unabhängig davon, ob sie explizit und formal benannt werden. Wir einfachen Leute kapieren das einfach so. Wir brauchen kein Binnen-i. Keine Doppelnennungen, keinen Unterstrich. Wir kriegen das einfach so auf die Reihe.

Daß Feministinnen offenbar auch anderweitig ein bißchen unterbeleuchtet sind, was Sprache anbelangt, sieht man an folgenden Textpassagen aus den oben zitierten Abschnitten:

Was oder besser wen The Mail on Sunday hier gekonnt ignoriert ist die britische Wimbledonsiegerin Virgina Wade

Selbst die vermeindlich so genderneutrale englische Sprache

Und: Entgegen der Aussagen

Ein Kommafehler, ein Rechtschreibfehler und ein Kasus-Fehler. „Entgegen“ verlangt immer den Dativ. Nicht den Genitiv. Zum Trost unserer Mannsweiber sei gesagt, daß diese „Genitivitis“ auch in vielen seriösen Zeitungen und Radiosendungen anzutreffen ist. Weil es ein bißchen intellektueller und sophisticated klingt. Man kann recht häufig den Genitiv hinter Präpositionen wie „entgegen“, „nahe“, „samt“ oder „entsprechend“ lesen, obwohl diese zwingend den Dativ verlangen.

Ich sage immer: Das ist der Intellektuellen-Genitiv als Pendant zum Proleten-Dativ, den Leute wie Bastian Sick mit Buchtiteln wie „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ karikieren. Manchmal ist auch der Genitiv dem Dativ dessen Tod.

Die Emanzipation der Männer schreitet voran. Unsere sprachlichen Fertigkeiten verbessern sich offenkundig.

Aber was bringt uns das, wenn sich die sprachlichen Kenntnisse von Feministinnen rapide verschlechtern?

Gleichberechtigung ist nicht dadurch zu haben, daß ein Geschlecht immer weiter abdriftet.

5 Kommentare
  1. Dummerjan permalink

    Da hat geschrieben Dero Jüdischheit, der Rebbe Adolf, dass die Schicksengaltyw sich nicht gefühlt hat berücksichtigt genug beim Tennis.
    Da fällt mir ein: „Treibe den Spötter aus, so geht der Zank weg, so hört auf Hader und Schmähungen.“ wie es geschrieben steht im Buche – Sprüchen (22, Vers 10).

  2. Mann, hab ich gelacht!😀 Geiler Schreibstil!

  3. Danke für das Lob. Auf Alles Evolution werde ich nur noch gemobbt. Da brauche ich etwas Aufmunterung.

  4. „steht nichts Schlimmes zu befürchten durch dieses Buch. Alles in allem kommen die Maskulisten ganz gut darin weg:
    – antifeministisch
    – selbstbewußte, sich vom Mainstream absetzende Geschlechterkonzeption
    – strategisch operierend
    – organisiert und vernetzt
    – modernisiert
    Wir Maskulisten werden in diesem Buch wohl ganz gut wegkommen.“

    Der Stolz der Maskulisten, der hat schon was Faschistisches.

    „Gibt es das Patriarchat noch?“, wird ständig gefragt und bestritten.
    Wir leben in einem Andriarchat oder Andrearchat, also unter der Herrschaft und Sprache der Anderen, der Androgenen mithin auch Androgynen, nur in Verbindung mit Andros/Andreos muss es sein, ich bin dann die „Andrea“ ohne eigen Name mit drin, abgeleitet von Andre. Das Andriarchat ist der Maskulismus schlechthin, der maszt sich an, für alle Menschen zu sprechen und über sie sprachlich zu bestimmen. Sie kotzen mich an die Andreoch(r)isten, sie machen mich misanthropisch, sie machen mich krank mit ihrer notorischen „Wissenschaftlichkeit“ als strategische Übermacht, so sitzen sie ja in allen Schaltzentralen, selbstbewusst, strategisch operierend, organisiert und vernetzt, techisch immer der „allerletzte Schrei“, modernst verschaltet ihre Gehirne auch, tja da kommen die unterbeleuchteten dummen Feministinnen nicht hinterher; die promaskulistischen Weibchen werden etwas höflicher behandelt, d.h. Andreos übergeht in stolzer Überlegenheit ihre Allgemeinsprache, sie haben meistens nichts wirklich Wichtiges zu sagen, dürfen aber Ankerpunkte setzen, worauf sich sofort andriarchale Kreativitaet und Ultimativitaet sprachlich entladen und die Hirne in die andreozentrisch genehmen Rollenbilder jagen.

  5. Interessante Analyse.

    Sie sollten aber mal versuchen, sich klarer auszudrücken.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: