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Manfred Güllner hat recht!

November 2, 2012

Vor längerem hatte ich von Manfred Güllner berichtet. Der Forsa-Chef hatte behauptet, die Grünen seien eine Gefahr für die Demokratie und wir lebten bereits in einer „grünen Diktatur“. Das ist natürlich völliger Blödsinn eines frustrierten FDP-Wählers.

Dennoch steckt in seinen Worten ein Körnchen Wahrheit. Güllners Thesen werden dann plausibler, wenn man auf eine psychologische Ebene wechselt und nicht gleich den Untergang der Demokratie an die Wand malt. Natürlich gibt es einen Umweltzeitgeist, in dem das legitime Engagement für Klimaschutz, Nachhaltigkeit und gegen Umweltverschmutzung teilweise zur Religion geworden ist.

Dies führt dazu, daß Deutschland Milliarden von Euro für eine ineffiziente Photovoltaik ausgibt, die nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch unsinnig ist. Mit dem gleichen Geld ließe sich ein Vielfaches an CO2 einsparen, wenn man es in Windenergie, energetische Sanierung oder effiziente Gaskraftwerke investieren würde. Die Öko-Religion führt auch dazu, daß Deutschland überhastet aus der Kernenergie aussteigt, auf diese Weise deren Restpotential für Klimaschutz und Stromerzeugung abwürgt und obendrein die Energiewende zu einem Hasardeurspiel macht.

Dieser irrationale Ökozeitgeist bedeutet natürlich nicht den Untergang der Demokratie und man fragt sich, ob Güllner noch ganz bei Trost ist. Das Problem bei diesen Zeitgeistreligionen ist, daß sie eine rationale Debatte behindern und vernünftige Lösungen für Probleme vereiteln, da das angeblich Gute zum Selbstzweck geworden ist.

Man könnte übrigens im Geiste Güllners genauso gut behaupten, daß die CDU unsere Demokratie gefährdet, da sie es als konservative Partei nicht schafft, dem grünen Zeitgeist etwas entgegenzusetzen und den Deutschen zu erklären, daß ihr Land kein Erdbebengebiet und es relativ unwichtig ist, ob man nun in zehn oder 20 Jahren aus der Kernenergie aussteigt. Hier versagen die bürgerlichen Parteien auf ganzer Linie. Unsere Demokratie ist in Gefahr!

Güllners Thesen sind insofern interessant, als man sie meiner Meinung nach auf viele andere Themen übertragen kann, die seit der Kulturrevolution der 60er Jahre zum gesellschaftlichen Mainstream gehören. Seit den 60er Jahren wurden klassisch linke Themen in der Gesellschaft etabliert. Die sozialliberale Ära begann, und es kam zu einem bisher nie gekannten Hinterfragen von Normen und Traditionen.

Worauf ich hinaus will, ist, daß diese an sich sehr positive Entwicklung zu Pervertierungen und Übertreibungen geführt hat. Man muß konstatieren, daß der Befreiung von konservativer Ideologie eine neue progressive Eindimensionalität folgte, wie sie wohl seit den 90er Jahren dominant ist. Aus den linken Themen des Umweltschutzes, der Gleichberechtigung, der kulturellen Vielfalt, der Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit sind quasi Religionen geworden.

Nirgendwo kann man dies so deutlich besichtigen wie bei den Pervertierungen der Gleichberechtigungsidee, die sich in Gender-Firlefanz, Männerfeindlichkeit und Gleichstellungsunwesen manifestieren. Die Idee der Gleichberechtigung wurde zum Popanz, zum religiösen Ritual, sodaß die eigentliche Bedeutung des Begriffes erloschen ist und der Begriff selbst zu einer Art vor sich hinwesenden Mumie wurde, in der Gleichberechtigung nur noch unter der Überschrift Frau verstanden wird. Erwähnt man in diesem Zusammenhang das Wort Mann, wird dies als Frevel und Gotteslästerung verstanden, die die Totenruhe unserer geliebten Mumie „Gleichstellung“ stören.

Es ist schon ein bißchen absurd, daß in diesem Schauspiel die Befreiung von konservativen Geschlechternormen zur Etablierung von progressiven Geschlechternormen geführt hat – daß Männer und Frauen nun angeblich völlig gleich sein müssen und jedweder Unterschied ein Ausdruck von Benachteiligung natürlich nur von Frauen ist. Die traditionelle Einstellung zum Beispiel, daß Frauen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik nichts zu suchen hätten, ist genauso dämlich, wie die religiöse Bekundung, daß der Frauenanteil in diesen Bereichen doch unbedingt steigen müsse, weil es mit größter Gewißheit feststehe, daß ein geringer Frauenanteil nur die Folge von Diskriminierung und Patriarchat sein kann.

Bei beiden Haltungen handelt es sich um sogenannte normative Einstellungen, die den Begriff der Gleichberechtigung pervertieren, da dieser gerade die Abwesenheit von Geschlechternormen und jedweden Idealvorstellungen repräsentiert. Man muß also auch damit leben können, wenn es nur 10% weibliche DAX-Vorstände gibt. Und nur 5% männliche Kindergärtner, Frau Reding.

Da meinen es manche Menschen offenbar besonders gut mit der Gleichberechtigung. Ein ähnliches Engagement bezüglich männlicher Kindergärtner, Krankenpfleger und Grundschullehrer vermißt man natürlich.

Meiner Meinung nach haben wir heute tatsächlich eine Verblödung in die linke und progressive Richtung zu beklagen, was allerdings nicht bedeutet, daß es keine konservative Verblödung mehr gäbe. Die konservative Meinungshoheit bis in die 70er Jahre hinein wurde im Laufe der Zeit durch eine progressive Meinungshoheit abgelöst, die wohl spätestens seit den 90ern den Ton angibt.

Die seriöse und sachliche Kritik an dieser linken Pervertierung der Gesellschaft finde ich durchaus berechtigt und auch notwendig gerade angesichts von peinlichen rechts-konservativen Volltrotteln, wie es die Betreiber von Politically Incorrect sind, angesichts von kirchlich-konservativen Lebensrechtler-Fundamentalisten, die die Abtreibung gänzlich verbieten wollen, oder angesichts der Teaparty in den USA und vieler weiterer Phänomene, die auf linke Übertreibungen und politische Korrektheit nur Antworten aus den Fünfziger Jahren parat haben.

Hier liegt das Kernproblem von Leuten wie Güllner und den neuen und alten konservativ-reaktionären Strömungen. Die dort vorherrschende rechte Paranoia ist mir immer noch unangenehmer als die Übertreibungen der politischen Korrektheit von linker Seite. Das ist wiederum auch das Tragische an Phänomenen wie PI. Ich finde die Islamkritik von PI durchaus wichtig. Dafür muß ich mir dort aber auch eine an Peinlichkeit nicht zu überbietende Beweihräucherung und Huldigung eines gewissen Mitt Romney bieten lassen – und eine ebenso dümmliche und unfaire Dämonisierung Obamas.

Wer mit solch einer durchsichtigen und billigen Propaganda daherkommt, wie dies bei vielen Rechten der Fall ist, konterkariert leider all seine positiven Absichten und leistet sich selbst einen Bärendienst. Das Tragische an der rechten Kritik an linken Pervertierungen ist, daß das, was die Rechten dem entgegenzusetzen haben, noch schlimmer und dämlicher ist als das, was wir von eifrigen linken Gutmenschen ertragen müssen. Obendrein ist auch absehbar, daß aufseiten der Linken eher Einsichten in die eigenen Übertreibungen stattfinden werden. So ist das Engagement gegen die religiöse Beschneidung von Jungen vornehmlich von Vertretern linker Parteien zu hören, während wir uns von den Rechten wiederum das übliche „Freiheits“-Mantra anhören dürfen oder von Matthias Matussek ein Hohelied auf die Religionen zu hören bekommen. Mit der rechten Freiheits-Ideologie werden religiöse Genitalverstümmelungen, kriegerische Demokratie-Exporte und ein sozialer Autismus wie beispielsweise in Amerika gerechtfertigt.

Politically Incorrect führe ich hier nur als ein Beispiel für alle möglichen anderen rechten Wanderprediger an. Überall ist das gleiche Muster erkennbar:

Dem z.T. irrationalen und religiösen Umgang mit dem Klimaproblem, wird nicht etwa eine sachliche Kritik entgegengesetzt, wie dies etwa Björn Lomborg versucht. Nein, den Klimawandel gibt es schlicht nicht. Und alles ist Teil einer „rot-braunen Weltverschwörung“.

Statt den feministischen Abtreibungsextremismus und die hohen Abtreibungszahlen sachlich zu kritisieren, sind Schwangerschaften durch Vergewaltigungen nun ein Wunsch Gottes oder der weibliche Körper habe Möglichkeiten, eine Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung zu verhindern. Statt die Kosten für eine Abtreibung beispielsweise von den Frauen selbst und nicht mehr von der Gesellschaft tragen zu lassen, sollen Abtreibungen per se verboten werden. Damit wird die Inhumanität eines bedenkenlosen und steuerfinanzierten Abtreibens durch eine noch größere Inhumanität ersetzt.

Bei den Rechten findet eine religiös-fundamentalistische Mystifizierung des ungeborenen Lebens statt, das ihnen wichtiger ist als das bereits geborene und das sie anhand völlig willkürlicher Zuschreibungen metaphysisch aufladen. Allein schon dieses kindische Pharisäertum sollte äußerst skeptisch machen.

Das Grundmuster der rechten Ideologen besteht also darin, zwei Schritte zurückzugehen, statt einen Schritt nach vorn. Statt die Pervertierungen des an sich wünschenswerten gesellschaftlichen Fortschritts konstruktiv anzugehen, soll das Rad der Zeit zurückgedreht werden.

Aus genau diesen Gründen wird meiner Meinung nach auch eine Korrektur diverser Übertreibungen und Eindimensionalitäten am ehesten von linker Seite geschehen. Die Rechten und Konservativen haben keinen Lernprozeß zu bieten, sondern nur die simple Rückkehr zu vermeintlichen alten Gewißheiten, die die Menschen aber zurecht hinter sich lassen wollen.

Ich muß also Herrn Güllner vom Forsa-Institut enttäuschen: Es gibt zwar tatsächlich einen grün-linken Zeitgeist, FDP und CDU sind aber denkbar schlechte Alternativen. Wobei wir hier in Deutschland noch recht gut mit dem konservativen Lager dastehen. Man denke nur an Polen oder die USA.

Die Menschen wollen wohl eher nicht zurück in die Öko-Ignoranz, traditionelle Rollenbilder, eine sozialautistische Leistungs- und Risikoökonomie ohne gemeingesellschaftliches Verantwortungsgefühl, in eine konservative Frömmigkeit und Moral, zu einer Intoleranz gegenüber Minderheiten.

Ich denke, es ist kein Zufall, daß Arne Hoffmann auf Genderama zuletzt und auch früher schon immer wieder auf „Ausreißer“ aus dem grün-roten Einheitsstrom aufmerksam gemacht hat, die sich wider Erwarten der Männer annehmen oder die Gender-Ideologie kritisieren. Wie zum Beispiel ein grüner Stadtrat in Berlin-Pankow. Oder die Hamburger Linkspartei. Es ist wohl auch kein Zufall, daß gerade manch ehemalige Feministin zur dezidierten Kritikerin dieser Ideologie wird.

Vielleicht bin ich ja hoffnungslos naiv und schon ordentlich gehirngewaschen, aber mein Eindruck ist, daß links orientierte Menschen aufgrund ihrer Grundeinstellung und ihrer Mentalität – ihrer in meinen Augen kritischeren und humaneren Grundhaltung – viel eher die Pervertierungen ihres eigenen Biotops wahrnehmen und korrigieren werden.

Das ist mir auch allemal lieber als eine konservative Revolution.

Das Schlußwort hat Politically Incorrect

Den linksliberalen Einheitsmedien sei Dank: Lediglich 5 % der Deutschen würden, wenn sie könnten, für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney stimmen. Auf eine satte Mehrheit von 86 % käme hingegen Amtsinhaber Barack Obama. Zum Glück wird der mächtigste Mann der Welt jedoch nicht von sozialdemokratisierten Europäern, sondern von freiheitsliebenden Amerikanern gewählt.

3 Kommentare
  1. Der Gottglaube und der Atheismus müssen bekämpft werden. Jeder Mensch sollte zumindest ein Pantheist sein; besser ein Freireligiöser. Die verächtlichen Beschneidungen (auch von jüdischen Jungen) müssen verboten werden. Die Parteien FDP, Die Linke und Piraten erleben einen Niedergang. Bald werden auch die Grünen einen Niedergang erleben. Die Parteien FW und BIW befinden sich im Aufstieg. Mehr dazu auf meinem Blog.

  2. Hast du zu viel Eso-Plasma zu dir genommen? Was ist gegen Atheismus und Theismus einzuwenden?

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  1. Stirbt die Meinungsfreiheit ? - Seite 13

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